Rippendecken bis 1960

Allgemeines

Rippendecken haben in Deutschland eine über 100jährige Tradition. Bereits 1897 wurde die Koenen`sche Plandecke im Zentralblatt der Bauverwaltung veröffentlicht. Kurze Zeit später wurde die Ackermanndecke auf einer Berliner Ausstellung präsentiert. Auf der Internationalen Bauausstellung in Leipzig im Jahre 1913 stellte die Firma Friedrich Remy Nachf. die Bimszement-Hohlkörper für die Herstellung von Eisenbetonrippendecken aus. Die beiden zuletzt genannten Deckensysteme wendete man bis Ende der 1950er Jahre sehr häufig an. Bis 1960 entwickelte man eine Vielzahl von Rippendeckenarten.

Definition nach Halasz

  • ist eine Aufeinanderfolgende von Plattenbalken
  • die Füllkörper sind statisch unwirksam, deswegen muss die Druckplatte mindestens 5cm, bei einem lichten Rippenabstand von über 50 cm sogar 1/10 dieses Rippenabstandes sein
  • in der Druckplatte sind Verteilungseisen vorzusehen
  • die Rippen müssen mindestens 5cm breit sein
  • die Rippen müssen Bügel haben, wenn der lichte Rippenabstand mehr als 40 cm beträgt

(Quelle: von Halasz, R. , Eisenbeton im Wohnungs- und Siedlungsbau. Berlin, 1939, S. 82)

Definition nach Kersten

In seinen Buch: Der Stahlbetonbau, Berlin, 1957 schreibt er Folgendes: „Im Übrigen werden Rippendecken rechnerische wie Plattenbalken behandelt.“

Deckenarten

Die Stahlbetonrippendecken kann man in folgende 8 Konstruktionen einteilen:

  • mit sichtbaren Rippen
  • mit Hohlkästen
  • mit Hohlziegeln
  • mit nichttragenden Füllkörpern aus Leichtbeton
  • mit nichttragenden Füllkörpern und Fertigteilen
  • mit Fertigbauteilen und tragenden Zwischenbauteilen
  • mit Fertigbauteilen und tragenden deckenhohen Zwischenbauteilen (Füllkörper), 1951
  • mit L-Füllkörpern, tragenden Zwischenbauteilen und Ortbeton

Die vollständigen grafischen Darstellungen dieser Arten von Stahlbetonrippendecken ist in dem Fachbuch Ahnert, R., Krause, K. - H., Typische Baukonstruktionen von 1860 bis 1960, Berlin, 1985 abgedruckt.

Vorschriften, DIN -Normen

Im Jahre 1913 wurde der Erlass des Berliner Polizeipräsidiums für Eisenbetonrippendecken veröffentlicht. Darin heißt es: „Unter Eisenbetonrippendecken im Sinne der nachfolgenden Bestimmungen werden solche Decken verstanden, bei denen ihr Querschnitt in einzelne kleine Plattenbalken aufgelöst ist.“

(Quelle: Böhm – Gera, K. Neuere Hohlköperdecken, Berlin, 1917)

In den Betonvorschriften von 1904 und 1907 sind noch konkreten Angaben zu Stahlbetonrippendecken zu finden.

In den Bestimmungen des DAfEb von 1916 sind erste Angaben im §16 Abs. 12 abgedruckt. Im Jahre 1919 wurden im Zentralblatt der Bauverwaltung Musterbeispielen herausgegeben. Darunter befindet sich eine Berechnung einer Rippendecke.

(Quelle: Zentralblatt der Bauverwaltung, Jahrgang 1916, 1919)

Weitere Vorschriften für Stahlbetonbau wurden 1925, 1932 und 1943 als DIN-Norm erlassen. In diesen Vorschriften gab es separate Paragraphen für Rippendecken.

Konstruktionsbeispiele

  • Koenen`sche Plandecke
  • Ackermanndecke
  • Rohrzellen-Decke nach Wayss und Freitag, System Pohlmann
  • Remydecke ab 1943 DIN 4158
  • Rippendecke mit Leichtbeton-Hohlkörper DIN 4158 (April 1943)
  • Rippendecke mit Lochziegel DIN 4160 (Mai 1943)

In dem Fachbuch: Ahnert, R., Krause, K.-H., Typische Baukonstruktionen von 1860 bis 1960, Berlin, 2009, findet man zu den jeweiligen Deckensystemen auch eine grafische Darstellung.

Statische Gesichtspunkte

Allgemeine Aussagen

Allgemein kann folgende Aussage hinsichtlich der Verwendung von historischen Standsicherheitsnachweisen getroffen werden: Statische Nachweise zum Zeitpunkt der Errichtung der Gebäude können für die Einschätzung gemäß der derzeitigen Anforderungen angewendet oder zu Grunde gelegt werden.

In einem Artikel von W. Linse findet man Angabe: „Über die Ausführungen nach dem System Monier sowie über die Koenen`sche Rippen- und werden Voutendecke in jedem einzelnen Falle werden statische Berechnungen verlangt.“

(Quelle: W. Linse, Die Fortschritte in der Anwendung und Erfahrung über die Feuersicherheit des Eisens im Hochbau In : Stahl und Eisen Jahrgang 1898)

Rippendecken

Bezeichnungen 1925 (Quelle: Amtsblatt der Regierung zu Oppeln, 23. Januar 1926)

Rippendecken

DIN 1044-1944 (Quelle: Pörschmann, H., Bautechnische Berechnungstafeln, Leipzig, 1956)

Rippendecken

Rundstahltabelle 1902 (Quelle: Mörsch, E. Der Eisenbetonbau, seine Anwendung und Theorie aus dem Jahre 1902)

In den ersten Jahren des Stahlbetonbaues gab es sehr unterschiedlich Bezeichnung innerhalb der Berechnungen. Mit dem Erlass vom 25. Februar wurde betreffend allgemeine Bezeichnungen in den baupolizeilichen Festigkeitsberechnungen. und Zeichnungen festgelegt. Im Jahre 1944 wurde einheitliche Bezeichnung in der DIN 1044 einheitliche Bezeichnungen im Stahlbeton veröffentlicht.

Rippendecken

Berechnungsbeispiele (Quelle: Emperger, F., Handbuch für Eisenbetonbau, Berlin, 1909)

Rippendecken

Standsicherheitsnachweis Stahlbetonrippendecke (Quelle: Zentralblatt der Bauverwaltung, Berlin, 1916)

Rippendecken

Rechnungsbeispiel System Ackermann (Quelle: Hochreuter, K.-J., Bautechnische Tabellen, Bremen, 1930)

Rippendecken

Berechnung einer Stahlbetonrippendecke (Quelle: Ebinghaus, H., Hilfsbuch für das Baugewerbe, Giessen,1955)

In den Berechnungsbeispielen soll aufgezeigt werden, wie nach den einzelnen Vorschriften der Standsicherheitsnachweis geführt wurde. Eine Grundlage bildete das Fachbuch von E. Mörsch: Der Eisenbetonbau, seine Anwendung und Theorie aus dem Jahre 1902.

Rippendecken

Bemessungstafel für Leichtbeton-Hohlkörper nach DIN 4158 (April 1943) und Lochziegel nach DIN 4160 (Mai 1943) (Quelle: Pörschmann, H., Bautechnische Berechnungstafeln, Leipzig, 1956)

Herrn Reinboth liegen noch folgende Bemessungstafeln in Buchform vor und können genutzt werden:

  • Rippendecke mit Lochziegeleinlagen nach 4160 (Quelle: Löser, B., Bemessungsverfahren, Berlin 1952)
  • Bemessungstafel für Rippenbeton, Momente, Bewehrung nach Benno Löser 1936 (Quelle: Löser, B., Bemessungsverfahren, Berlin, 1936)
  • Ackermann-Eisenbetonrippendecke, zulässige Biegemomente für ein Meter Breite ( Quelle: von Halasz, R., Eisenbeton im Wohnungs- und Siedlungsbau, Berlin, 1939)
  • Rahmenzellen Stahlbetonrippendecke „Bauart Pohlmann“ ( Quelle: Kärcher, G., Kaden, H., Praxis des Beton- und Stahlbetonbaus, Stuttgart,1952)
  • Berechnungswerte für Stahlbetonrippendecken aus Leichtbeton-Hohlkörper nach DIN 4158 (Quelle: Kärcher, G., Kaden, H., Praxis des Beton- und Stahlbetonbaus, Stuttgart, 1952)
  • Rohrzellen-Decke Bauart Wayss, Bemessungstabellen, Eigenverlag,1907 (Quelle: Firmenschrift von Ingenieur G. A. Wayss)

Exkurs DDR

Anordnung über die Verwendung von Massivdecken für das Wohnungsbauprogramm vom 18. Februar 1953. In dieser Anordnung wurden auch Stahlbetonrippendecken für den Wohnungsbau angegeben. Auf dem Gebiet der DDR wurden unter anderem folgende Deckensysteme angewendet:

  • Menzel-L-Decke
  • Zwickauer Decke
  • Peka-Decke
  • Reese Decke
  • Kellig Decke
  • Stahlbetonrippendecke nach DIN 1045 mit Lochziegeln DIN 4160 und Hohlkörper aus Leichtbeton DIN 4158

(Quelle: Ahnert, R., Krause, K.-H., Typische Baukonstruktionen von 1860 bis 1960, Berlin, 2009)

Zulassungen für die oben genannten Decken findet man unter anderen in der DDR-Baufachzeitschrift „Bauzeitung“.
Hinweis:
Zum Thema Rippendecken in der DDR hat der Autor einen Beitrag verfasst. Er ist in der Baufachzeitschrift Der SanierungsVorsprung Nr. 67/2024 S. 33-37 veröffentlicht worden.

Hinweis zur Umrechnung von historischen Baukennwerten:
Im Baufachbuch Bargmann, H., Historische Bautabellen, Köln, 2013 sind unter Abschnitt 5 entsprechende Umrechnungstafel abgedruckt.

Hinweis:
Die in der historischen Fachliteratur und Dokumenten angegebenen Werte dienen nur zur Orientierung und zum Vergleich. Wird bei einer historischen Baukonstruktion eine Nutzungsänderung angestrebt oder ein statischer Eingriff vorgenommen, ist ein Standsicherheitsnachweis zu erbringen. Es sind der gegenwärtige Zustand und die aktuellen Bestimmungen zu beachten.

Literatur (Auswahl)

  • Ahnert, R., Krause, K.-H., Typische Baukonstruktionen von 1860 bis 1960, Berlin, 2009
  • Ahnert, R., Krause, K.-H., Typische Baukonstruktionen von 1860 bis 1960, Berlin, 1985
  • Beton – Kalender verschiedene Jahrgänge
  • Böhm-Gera, K., Neuere Höhlkörperdecken In: Handbuch des Eisenbetonbau, Berlin, 1917
  • Büssing, F., W., Schumann, C., Der Portland – Cement und seine Anwendungen im Bauwesen, Berlin, 1905
  • Drüssner, H., Fachkunde für den Hochbau, Leipzig, 1956
  • Ebinhaus, H, Der Hochbau, Gießen, 1958
  • Eichler, F., Baukonstruktion, Massivdecken, Leipzig, 1957
  • Emperger, F. Handbuch für Eisenbetonbau, Bd. 11, Berlin, 1913, 1923
  • Fachbeiträge verschiedener Baufachzeitschriften unterschiedlicher Jahrgänge
  • Frank, W., Eisenbetonbau, Stuttgart, 1914, 1920
  • Fingerloos, F., (Hrg.), Historische technische Regelwerke, Berlin, 2009
  • Kleinlogel, A., Fertigkonstruktionen, Berlin, 1929, 1047, 1949
  • Merinsky, J., K., Decken. Lager- und Verkehrsflächen, Wien, 1949
  • Salinger, R., Der Eisenbeton, Stuttgart, 1906
  • Siedler, J., S. Die Lehre vom neuen Bauen, Berlin, 1932
  • o. A., Stahl im Hochbau, Berlin, 1935

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